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Sebastian Frank liebt Erdbeeren. Und das hat der Lindenschüler aus Rappelsdorf am Mittwoch während der 12. Kunstwerkstatt der Stiftung Rehabilitationszentrum Thüringer Wald in Oberrod deutlich gemacht. Mit seinem Bild „Ich liebe Erdbeeren“ landet er auf dem 5. Platz. 48 Kinder, Frauen und Männer von insgesamt 16 Werkstätten waren am gestrigen Mittwoch zu Gast in Oberrod. Unter dem Thema „Aus dem Leben gegriffen“ entstanden Kunstwerke, die von einer fünfköpfigen Jury bewertet wurden. Den ersten Platz holte Marco Schilling von den Suhler Werkstätten.

Farbenfreude und Freudenfarben:
Bilder aus dem Leben

Künstler-Treff in Oberrod: zum 12. Mal bringt die Kunstwerkstatt Menschen aus Thüringer Werkstätten zusammen. Am Mittwoch sind´s 48 Teilnehmer aus 16 Einrichtungen, die malen wie die Weltmeister.

Von Katja Wollschläger

Oberrod – Bunte Blumenwiesen, farbenfrohe Häuserzeilen, saftig-rot leuchtende Erdbeeren zieren die Leinwände. Dazu lacht die Sonne vom stahlblauen Himmel und verbreitet gute Laune. Doch die gäbe es auch ohne Klärchen, denn der Künstlertreff in Oberrod ist eine Veranstaltung, auf die sich alle freuen. Die Meininger vom Lebenshilfewerk beispielsweise. Stefanie Friedel hat gemalt und gemalt. „Gebrochenes Herz“ heißt ihr Bild, das zum Thema des Tages „Aus dem Leben gegriffen“ entstanden ist. „Ich habe meine Gefühle gemalt, das gezeigt, wie es mir momentan geht“, erzählt sie, die in der Kreativwerkstatt künstlerisch arbeitet. Stefanie Friedel töpfert und glasiert. Sie ist neben Maria Benz und Marco Fischer eine von drei Meiningern, die das große Los gezogen haben. „Bei uns wird tatsächlich ausgelost, wer mitfahren darf.“, erzählte Gruppenleiterin Dorothee Zeitz. Sie schmunzelt.: „Sonst würden wir mit 30 Teilnehmern kommen.“ Stefanie Friedel ist froh, dabei sein zu können. Eine schöne Ablenkung ist´s, raus aus dem Alltag und zur Ruhe zu kommen. Und ganz nebenbei trifft man Leute. Auch Bekannte. Stefanie lächelt. Sie hat einen ehemaligen Heimkameraden wiedergesehen.

Eine riesengroße Erdbeere entsteht auf Sebastian Franks Leinwand. Sie sieht zum Anbeißen gut aus. Der Lindenschüler aus Rappelsdorf lächelt übers ganze Gesicht. Ja, er liebt Erdbeeren, isst sie am liebsten mit Schlagsahne und Zucker. „Ich hab´ mich zum Fasching auch mal als Erdbeere verkleidet“, verrät er. Daran dachte er wohl, als er am Mittwoch den Pinsel in die Hand nahm…

Acryl Farbe, Pinsel, Leinwand- alle Materialien, die an diesem Kunstwerkstatt-Tag gebraucht werden, werden in Oberrod zur Verfügung gestellt. Auch für Verpflegung ist gesorgt. Dass alles perfekt vorbereitet ist und bereitliegt, dafür Sorgen Gruppenleiter Steffen Roßbach und Ralf Bartolome. Und gefördert wird die Kunstwerkstatt auch – von der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten mit 500 Euro, erzählen sie. Roßbach und Bartolome organisieren‘s mit Hingabe, denn sie wissen, wie wichtig dieser Tag für die Kinder, Frauen und Männer ist. In diesem Jahr steht die Kunstwerkstatt unter dem Motto, Aus dem Leben gegriffen“, erzählt Steffen Roßbach.

Es ist ein Thema, das Spielraum lässt. Bei Nadine Stock vom Rehazentrum in Schleusingen beispielsweise leuchtet es kunterbunt auf der Leinwand. Sie malt eine Blumenwiese. „Ich liebe Wiesen. Sie sind so fröhlich und bunt. Wenn ich sie male, dann fühle ich mich gut“, erzählt sie. Sie malt mit Farbenfreude – und Rot, Blau, Gelb und Grün werden zu Freudenfarben. Seit 2015 ist Nadine im Kurs von Steffen Roßbach und Ralf Bartolome dabei. Dort trifft sie auch Martin Günther. Auch er ist wieder mit von der Partie – und malt hochkonzentriert, hat sich tief über sein Bild gebeugt. Es zeigt das Porträt einer Frau mit Papageien. „Ich habe dieses Bild auf einem Kalender gesehen – und mir überlegt, dass ich das hier malen könnte“, erzählt der junge Mann. Gesagt – getan. Die Frau ist bereits fertig. Nun bekommen die Papageien noch ein farbenfrohes Federkleid… ja, Martin Günther hat große Freude am Malen – irgendwann einmal mit Graffiti-Kunst und sich übers Kunstzeichnen bis hin zum Malen vorgearbeitet. Beim Malen entspanne er. Und noch etwas findet er toll: Zur Kunstwerkstatt kann man viele Bilder sehen – „ich wird‘ mich nachher auch noch einmal von den anderen Motiven inspirieren lassen.“

Genau das ist es, was Michael Dyroff so an der Oberroder Kunstwerkstatt schätzt: der Betreuer des Kunsthauses Lukas in Buttstädt, das zur Stiftung Finneck gehört, versucht, jedes Jahr zu kommen. Weil es wichtig ist, dass behinderte Menschen ihre Talente ausleben, weil jeder hier seine eigene Sprache spricht, nimmt er gern die 130-Kilometer-Strecke auf sich. „Es sind so viele tolle Sachen hier zu sehen“, sagt er. Und meint damit nicht nur die Bilder seiner drei Schützlinge. Karl-Heinz Kahlweit beispielsweise hat „Tanzende Häuser“ in einer eigenen Perspektive, der der Nähe, gemalt. „Er ist sehr kreativ, zaubert etwas aus allem, was er findet“, erzählt Dyroff. Jana Zeughardt ist die dritte im Bunde. Sie ist eine Farbenzauberin: „Die malende Palette“ ist herausgekommen. Und Steffen Ruge hat mit seinem Bild: „Zufriedenes Tier“ die Juroren überzeugt. Seine Platzierung erfährt er am Nachmittag. Er ist Zweiter geworden.

48 Kunstwerke sind am Mittwoch entstanden. Die fünf Juroren, darunter die Künstler Hans-Joachim Stürmer und Gabriele Just, hatten‘s nicht leicht. „Ich begleite die Veranstaltung seit Jahren und finde fantastisch, was hier entsteht, schwärmt Gabriele Just. Die Kunstwerkstatt in Oberrod sei so enorm wichtig sagt sie: Nicht nur, dass sich Menschen hier treffen. Sie werden herausgefordert, bekommen neue Impulse.

Und so wird in Oberrod gemalt, aber auch gemeinsam auf der Wiese gepicknickt, geredet und nicht zuletzt gespannt auf das Ergebnis gewartet. Am Ende gibt´s Sieger und Platzierte. Doch eigentlich sind sie alle Sieger – denn sie waren dabei und schaffen es, ihre Gefühle in Farben, Formen, Bilder zu kleiden. Das ist (eine) Kunst.

1.Platz und Wanderpokal: Marco Schilling aus den Suhler Werkstätten mit „Zur Liebe der Muschel und dem Gänseblümle“; 2. Platz: Steffen Ruge von der Stiftung Finneck mit „Zufriedenes Tier“; 3. Platz Brigitte Schilling Mechterstädt mit „Sonnenblumenfeld“.