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Das Bestjahreszeugnis im Beruf Fachlagerist 2018 ist Eric Büttner ausgestellt worden. Damit hat der 22-Jährige zugleich die Chance bekommen, sich zur Fachkraft für Lagerlogistik ausbilden zu lassen. Er vertieft derzeit sein Wissen auf diesem Gebiet besonders noch in den Bereichen Buchhaltung und Einkauf. Ab 1. September startet der aufgeschlossene und selbstbewusste junge Mann bei der Firma Aug. Winkhaus GmbH & Co. KG in Meiningen-Dreißigacker direkt ins Berufsleben. Er hat den Realschulabschluss und den Führerschein in der Tasche und wohnt in einer eigenen Wohnung. Bei all dem hätte Eric Büttner noch vor fünf Jahren nie geglaubt, dass es einmal mit seiner Person zu tun haben würde. Fünf Jahre, die sein Leben nicht nur völlig auf den Kopf gestellt, sondern ihm auch eine Orientierung gegeben haben, die er vorher nicht finden konnte. Mit Unterstützung der Möglichkeiten, die die Stiftung Rehabilitationszentrum Thüringer Wald in Schleusingen vielen Menschen mit geistigen, körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen in verschiedenen schwierigen Lebenslagen bietet, ist ihm all das hervorragend gelungen. „Die richtige Entscheidung“, weiß Eric Büttner heute, auf die er durch die Betreuung der Agentur für Arbeit gekommen ist. „Ich gehörte als Schüler nicht unbedingt zu den fleißigen. Bereits fünfmal umgezogen und nie richtig angekommen, nach einigen Tiefschlägen war ich introvertiert, wie ein stummer Roboter und kaum kommunikativ. So bin ich 2014 hier angekommen. Orientierungslos, mit meinem Hauptschulabschluss, etlichen misslungenen Bewerbungen und Enttäuschungen.“ Verständlich, wie er aus heutiger Sicht die Entscheidung in so mancher Firmen-Chef-Etage einschätzt, wo er auf eine berufliche Zukunft gehofft hat. Vergeblich. Der Außerbetrieblichen Ausbildung als einer der beiden Teilbereiche der beruflichen Rehabilitation des Rehazentrums, ist Berufsorientierung und Training, vorausgegangen. Im Auftrag der Agentur für Arbeit haben hier junge Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen die Möglichkeit, sich innerhalb von maximal zwei Jahren in den Berufsfeldern Büro- und Lagerverwaltung, Metalltechnik, Holztechnik, Hauswirtschaft/Ernährung/Textiltechnik, Gartenbau und Floristik auszuprobieren und herauszufinden, wo ihre Stärken liegen, um im Anschluss daran eine Ausbildung zu absolvieren. „Dank dieser Phase und ausführlicher Beratung konnte ich mich sehr gut darauf vorbereiten, was mich in der Ausbildung und beruflich als Fachlagerist erwarten würde“, so Eric Büttner weiter. Auch die Aussicht auf den Gabelstaplerschein war durchaus verlockend, den er ebenfalls erfolgreich absolviert hat.

„Wir fördern Kompetenzen“

Nicht allen der um die 400 in den verschiedenen Einrichtungen der Stiftung betreuten Menschen in Schleusingen, Oberrod, Rappelsdorf und Suhl ist eine solche Erfolgsgeschichte vergönnt. Wohl aber ist jeder kleinste Fortschritt auf dem Weg in ein selbstbestimmteres Leben ein großer Meilenstein. Überaus wertvoll ist deshalb die Erlangung auch nur einfachst scheinender Fähigkeiten und Fertigkeiten von zum Beispiel Menschen mit schwersten und mehrfachen Behinderungen. „Wir fördern Kompetenzen, die helfen, Defizite auszugleichen“, so Stiftungsvorstand Kai Michaelis. 260 Mitarbeiter stehen dabei in den Bereichen Lernen und Begleiten, Ausbilden und Trainieren, Arbeiten und Fördern sowie Wohnen und Leben zu Seite, als „Komplettanbieter“. Mit nur einem Wort findet er die Beschreibung dafür, dass die Einrichtungen und das umfassende Netzwerk der Stiftung Rehabilitationszentrum Thüringer Wald alles für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren nach ihren Fähigkeiten ermöglichen. Sie fangen in Krisensituationen auf, bieten Unterstützung dabei, mit Einschränkungen und Behinderungen unterschiedlicher Art zu leben, bilden nach erfolgter Berufsorientierung außerbetrieblich aus und integrieren. Dafür stehen ein Jobcoach und auch ein Team des Integrationsfachdienstes zur Verfügung. Laut Kai Michaelis eine Herausforderung, die in der Öffentlichkeit nicht unbedingt so wahrgenommen wird. „Denn der Masse der Menschen, die mit Beeinträchtigungen in verschiedener Form zurechtkommen muss, sieht man eine Behinderung nicht an. In der Regel erwerben mehr als 90 Prozent diese erst im Laufe des Lebens“, sagt er. Menschen nach Unfällen, traumatischen Erlebnissen oder die den steigenden Anforderungen des Lebens nicht mehr gewachsen sind, gehören deshalb immer mehr zu den betreuten Personen neben Menschen mit Downsyndrom, Autismus oder frühkindlichen psychischen Schädigungen wegen Alkohol- oder Drogenkonsum der Mütter. „Nur stehen erstere nicht unbedingt in der ersten Reihe, wenn es um konkrete Hilfe und Unterstützung geht.“ Ihre Sorgen und Probleme werden mitunter erst nach langen oder gar verzweifelten Odysseen erkannt. Oftmals versuchen sie diese gar weitestgehend zu verheimlichen oder wollen mögliche Angebote gar nicht in Anspruch nehmen. „Ein Teufelskreis.“ Besonders wichtig sind Partner, die den Weg für eines der vielfältigen Angebote wie sie das Reha-Zentrum vorhält, ebnen helfen. Das können Schulen, die Familie sein oder die Agentur für Arbeit. Partner sind aber auch darüber hinaus besonders wichtig, etwa wenn es um Ausbildungs- oder Praktikumsbetriebe geht. Doch auch die Werkstätten in Oberrod oder die Wäscherei in Schleusingen agieren wie eigenständige Firmen, die sich selbst um Aufträge, Abnehmer und Qualitätsarbeit kümmern, und darum, dass die Leistungen der Mitarbeiter mit Behinderungen auch durch entsprechende Bezahlung Würdigung finden. Holzmöbel für draußen, Holzspielzeuge, Geschenkideen sind nur einige der Beispiele dafür, was gute Förderung und entsprechende Organisation vermögen. Und Flexibilität. „So arbeiten wir auch sehr gut mit Fuchs Gewürze in Schönbrunn zusammen“, nennt Kai Michaelis ein weiteres positives Beispiel. „Besonders in der kleinteiligen Produktion wird mancher Auftrag ausgelagert, etwa Gewürze in speziellen Verpackungen.“ Aufträge, die von den Mitarbeitern der Schleusinger Reha-Werkstätten gern ausgeführt werden.

Ganzheitliche Betreuung und Förderung sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Inklusion. Dabei gilt es für entsprechende Angebote zu sorgen, die eine Integration in das Arbeitsleben, in die Gesellschaft ermöglichen, so der Stiftungsvorstand weiter. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt ebenso der Sport. Erfolgreich sind über das Reha-Zentrum betreute Menschen im Schleusinger Tischtennisverein aktiv oder bei Special Olympics Wettkämpfen und Weltspielen erfolgreich. So gehörte erneut eine Sportlerin des Reha-Zentrums zu den Athleten bei den Special Olympics in Abu Dhabi. Franziska Brändlein kam im März mit einer Goldmedaille im Schwimmen zurück. Über das Theaterprojekt der Lindenschule steht die Einrichtung eng im Kontakt mit Schleusinger Schulen und Kindergärten. Für Eric Büttner, dessen Biografie in den ersten eineinhalb Jahrzenten nicht sehr gradlinig verlaufen ist, beginnt dank der Möglichkeiten des Reha-Zentrums ein völlig neuer Lebensabschnitt. „Ohne diese Einrichtung hätte ich wohl meine Berufsausbildung so nicht geschafft. Ich hatte eine sehr schöne Zeit, habe tolle Leute kennengelernt und weiß jetzt, dass es am wichtigsten ist, ein Ziel vor den Augen zu haben.“

Termine
11.05., 14 Uhr: Tag der offenen Tür zum 20. Jubiläum im Haus Sonnenblume
24.05., 15 Uhr: 5-jähriges Jubiläum im Haus Bienenkorb

Einrichtungen

  • Lindenschule Rappelsdorf mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
  • Haus Kleeblatt für Menschen mit Prader-Willi-Syndrom
  • Haus an der Nahe für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung
  • Haus Bienenkorb, Haus Sonnenblume und Haus am Eichenhof sind Wohnheim für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistiger Beeinträchtigung
  • Schleusinger Reha-Werkstätten in Oberrod und Schleusingen mit modern ausgestatteten Arbeitsplätzen in den Bereichen Wäscherei, Landschaftspflege, Metall- und Montage, Holzbearbeitung, Montage und Verpackung sowie Gewürzverpackung im Auftrag von privaten und industriellen Kunden
  • Regionales Förderzentrum Domino in Suhl für schwerstmehrfachbehinderte Menschen
  • Ambulante Betreuung im gesamten Kreisgebiet