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Bei Silvia Oberender blüht die „Thüringer Rose”

Silvia Oberender aus Hinternah ist am Dienstag in Eisenach für ihr Engagement um die Tischtennis-Athleten des Schleusinger Rehazentrum mit der „Thüringer Rose“ geehrt worden.

Hinternah- Silvia Oberender lacht: „Uta Schellenberger ist an allem Schuld!“ Sie mag Uta Schellenberger und die Abwechslung die die Leiterin der Lindenschule Rappelsdorf und des Sportvereins Schleusingen 90 e.V. in ihr Leben gebracht hat. Sie mag das Tischtennis-Training mit den Athleten aus dem Schleusinger Rehazentrum – den Sport sowieso. Das merkt man in jedem Satz, an dem warmen Lächeln, das ihr immer wieder übers Gesicht huscht, wenn sie erzählt. Und es macht sie stolz, dass sie am Dienstag auf der Wartburg in Eisenach mit der „Thüringer Rose“ geehrt wurde. Auch das hat Uta Schellenberger eingefädelt.

Tischtennis-Leidenschaft  

Silvia Oberender ist Lengfelderin. Dort hat sie schon als Kind Tischtennis gespielt. Bei Empor Lengfeld. Deutsche Meisterschaften gehörten für sie zum Jahresprogramm „Wir waren richtig erfolgreich und sind rumgekommen in der DDR.“ Dann kam das Bauwesen-Studium in Gotha und drei Jahre in der Studentenliga. Danach legte sie eine Pause ein, bekam zwei Kinder, zog sie groß. Erst in Schleusingen, dann in Hinternah. Irgendwann zog es sie wieder zum Tischtennis. „Ich glaube, das war 2001. Ich hatte gehört, dass es in Schleusingen Tischtennis gibt, bin einfach mal zum Training gegangen und dabei geblieben“, erzählt sie. 2004 ist ihr Uta Schellenberger zum ersten Mal über den Weg gelaufen. „Sie war auf der Suche nach einem Sport für ihre eigenen Kinder – und ist hier geblieben.“ Es hat gleich „gefunkt“ zwischen den beiden. Sie haben eine Frauenmannschaft aufgebaut. Doch irgendwann sei Uta dann gekommen – sie schaffe das alles nicht mehr. Denn schließlich trainierte sie auch die Reha-Kids und Jugendlichen im Tischtennis. Separat. Da kam die Idee: Warum ihre Athleten nicht im Verein integrieren? „Sie wären doch auch hier gut aufgehoben“, so die Meinung. Gesagt, getan. Aus anfänglicher Skepsis wurde bald die pure Freude. Denn Silvia Oberender, die bereits im Verein gemeinsam mit Uta Schellenberger und Harald Möller das Kindertraining leitete, genoss es, mit den Athleten vom Rehazentrum zu arbeiten. „Anfangs waren sie beim Training unter sich“, erzählt die Hinternaherin. Heute mischen die elf Sportlerinnen und Sportler längst überall mit. Berührungsängste gibt es keine. Sie sind längst „Partner“ geworden. In den fünf Unified-Paarungen (ein Athlet mit geistiger Behinderung spielt im Team mit einem ohne) werden die Partnerschaften gelebt.

Alles fing also mit dem Sport und dem gemeinsamen Training an. Und es wurde mehr. Silvia Oberender fuhr mit ihren Schützlingen zu Wettbewerben, organisierte mit, betreute sie bei den Wettkämpfen. Sie erinnert sich noch genau an das Jahr 2012. Zum ersten Mal hat sie Olympische Luft geschnuppert – in München. „Das war der erste große Wettkampf, bei dem ich als Betreuerin mitgefahren bin.“ Uta Schellenberger sei Dank. Sie war es, die einen weiteren Betreuer für die Reise suchte – und auf Silvia Oberender zukam. „Du könntest doch mit.“ Wieder huscht ein Lächeln über das Gesicht der Hinternaherin-Urlaub habe sie genommen und ab ging´s nach München. Sie hat diesen ersten Wettkampf ihrer Schützlinge genossen. „Wie sich Menschen freuen können!“ Für sie war´s unglaublich: Die Herzlichkeit, die Aufregung, das Mitfiebern und schließlich die pure Freude! Und sie war mittendrin.

Es hat sie nicht mehr losgelassen. Fortan fuhr sie immer mit, wenn sie‘s einrichten konnte. Und meistens konnte sie. Mittlerweile kennt sie all ihre Pappenheimer genau-ihre Schwächen und Stärken, weiß wie sie in bestimmten Situationen reagieren muss, um sie zu motivieren, abzulenken, zu trösten – und sie kann sich einfach nur mit ihnen gemeinsam freuen. „Klar steckt da auch viel Arbeit drin, aber es ist Arbeit, die sehr große Freude macht“, erzählt sie.

Perfekter Ausgleich

Die Athleten zu trainieren und zu betreuen – „das ist das perfekte Gegenstück zu meiner richtigen Arbeit.“ Die Bauingenieurin, die große Verantwortung trägt, die sich oft „Gemecker und Gebrummel“ anhören muss, hat den Ausgleich für sich gefunden. Die 62-Jährige erzählt – nein, sie schwärmt, ist im Sommer 2019 angelangt, bei den Special Olympics in Kiel. Vor der Fahrt dorthin war sie auf der Baustelle gefallen, hatte sich Rippen geprellt. „In Kiel hat Janis Kürschner Gold geholt. Die Freude war so groß, dass er mich gedrückt hat. Richtig gedrückt. Und es hat so weh getan.“ Ja sie freuen sich und sie schimpfen auch ganz ehrlich – sie lassen raus, wie ihnen zumute ist. Und: Sie sind begeisterungsfähig und ehrgeizig. Kevin Klotzsche kommt ihr in den Kopf: „Ich hätte nie gedacht, dass er so viele Bälle nacheinander treffen kann.“ Am vergangenen Wochenende in Friedrichroda bei der Landesmeisterschaft hat er Silber geholt „Ich bin richtig stolz!“ Die Arbeit mit ihren Athleten gibt Silvia Oberender nicht her. Die liebt sie. Ihre andre Arbeit, die auf dem Bau, die legt sie nun ad acta. Für sie hat sich eine neue Tür geöffnet. Sie wird ab dem 6. Januar im „Kleeblatt“ in Rappelsdorf arbeiten. Und darauf freut sie sich riesig. Riesig gefreut hat sie sich auch gestern. Auf der Wartburg überreichte Sozialministerin Heike Werner die Thüringer Rose an Silvia Oberender. Mit dabei waren Uta Schellenberger, Kai Michaelis vom Rehazentrum Schleusingen und Schleusingens Bürgermeister André Henneberg. Auch Silvia Oberenders Mutter Isolde Kälber und ihr Mann Thomas erlebten den bewegenden Augenblick mit.

Die Thüringer Rose

Mit der Thüringer Rose wurden gestern zwölf Thüringer geehrt, die sich uneigennützig und engagiert für andere einsetzen. Die Auszeichnung erinnert an Elisabeth von Thüringen. Ihre aufopferungsvolle Hinwendung zu den Armen und Kranken ist bis heute ein Symbol dafür, selbstlos Gutes zu tun, ohne Anspruch auf öffentliche Anerkennung zu erheben.

Von Katja Wollschläger
Quelle: Freies Wort vom 20.11.2019