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Franziska schwimmt zu Gold und Bronze

 Im Schleusinger Rehazentrum, genauer gesagt im Haus am Eichenhof, wohnt eine frisch gebackene Olympiasiegerin. Franziska Brändlein heißt diejenige, die dem Rest der Welt gezeigt hat, wer die beste Freischwimmerin ist.

Schleusingen – Franziska Brändlein strahlt übers ganze Gesicht. Zwei Medaillen trägt sie um den Hals. Eine glänzt golden, die zweite bronzen. Sie nimmt sie zwischen Daumen und Zeigefinger und streckt sie nach vorne. Das sind die beiden wertvollsten Stücke in der umfangreichen Sammlung der 22-jährigen. Sie liebt das Schwimmen. Das sagt sie wieder und wieder. Schon als kleines Mädchen war sie praktisch im Wasser zu Hause. Ihr Papa habe sie regelmäßig mitgenommen – zum Schwimmen in die Regnitz. Denn Franziska Brändlein kommt aus Bamberg. Im Nebenfluss des Mains hat sie praktisch den Grundstein fürs olympische Gold gelegt. Wieder lächelt sie, erzählt, wie toll es war bei den Special Olympics in Abu Dhabi. Am Donnerstagnachmittag ist im Haus am Eichenhof ein gemeinsames Kaffeetrinken organisiert. Schließlich wollen auch Kai Michaelis, Vorstand der Stiftung Rehabilitationszentrum Thüringer Wald, Sportkoordinator Reinhard Morys und ihre Freunde gratulieren ,,zur wirklich tollen Leistung. Wir sind sehr stolz darüber, dass wir nun eine Olympiasiegerin haben“, sagt Kai Michaelis. Blumen gibt’s für die junge Frau und jede Menge Fragen muss sie beantworten.

Olympisches Abenteuer
Am 9. März ist sie gestartet ins große olympische Abenteuer. Und am 16. März um 10 Uhr wurde es für sie dann ernst: Vom Strand aus starten die Teilnehmer ins Meer, mussten 1500 Meter zurücklegen – im Dreieckskurs schwimmen, um Bojen herum. Begleitet von einem Boot. Nach einer knappen Dreiviertelstunde (43:17,00 min) stand fest: Franziska ist Olympiasiegerin. Die Goldmedaille hatte sie in der Tasche. Die zweite Disziplin, 800 Meter Freistil, stand drei Tage später auf dem Programm. Hier ging’s in 30:35.46 Minuten bronzen glänzend für sie aus.

Sie schwärmt von Abu Dhabi, erzählt, dass sie auf einem Kamel geritten ist, auf dem Basar war und die Zeit bei den World Games so richtig genossen hat. Was das beeindruckendste war? ,,Die Wüste“, sagt sie. Besuch hatte sie auch, denn ihre Eltern wollten die Wettbewerbe live miterleben. 14 Tage war Franziska auf Reisen – und nun ist sie zurück. Als frisch gebackene Olympiasiegerin. Sie ist froh, wieder hier zu sein. In Schleusingen, wo sie seit 2013 wohnt, in die Lindenschule gegangen ist und nun im Berufsbildungsbereich in Oberrod arbeitet. Und ,,nebenbei“ macht sie Sport. ,,Wenn’s auf Wettkämpfe zugeht, trainieren wir zweimal pro Woche“, sagt Reinhard Morys. Er weiß eines über seine Schützlinge: ,,Wenn sie’s draufhaben, dann haben sie’s drauf.“ Egal, wie oft trainiert wird.

Franziska Brändlein hat’s drauf. ,,Sie schwimmt ihr Tempo durch. 1500 Meter lang. Sie würde wahrscheinlich auch 2000, 2500 Meter schwimmen können“, sagt der Trainer. Die 22-Jährige schwimmt in der Kraul-Technik. ,,Da können sich einige eine Scheibe abschneiden“, weiß Kai Michaelis. Denn sehr genau wird bei Ausscheiden und erst recht bei den World Games geschaut, ob die Technik passt. ,,Es gibt Disqualifikationen, wenn gegen die internationalen Regeln des Schwimmverbands verstoßen wird“, sagt Reinhard Morys und nennt ein Beispiel: Da müsse nur eine Sportlerin vor dem Signal auf dem Startblock zucken…

Begleitende Angebote
Mit seinen Schwimmern trainiert er in der Suhler Schwimmhalle. Der Sport, so sagt Kai Michaelis, sei eine von vielen begleitenden Angeboten der Stiftung. Solche gebe es beispielsweise auch im künstlerischen Bereich. Diese sollen helfen, das Konzentrationsvermögen, die Ausdauer behinderter Menschen zu steigern. Bei solchen begleitenden Angeboten werden Talente entdeckt. Talente wie Franziska Brändlein.

Es sind mittlerweile die zehnten Olympischen Spiele für die Stiftung Rehabilitationszentrum ,,Thüringer Wald‘‘, weiß Morys. ,,Seit Alaska im Jahr 2001 sind wir dabei.“ Stark waren die Schleusinger stets im Tischtennis, Radfahren und Skilanglauf. In diesem Jahr nun erstmals auch im Freischwimmen.

Ob die Schleusinger Reha-Wintersportler ähnliches schaffen? Sie bereiten sich auf jeden Fall schon auf die Olympischen Winterspiele 2021 in Östersund vor. ,,Doch dafür müssen wir im nächsten Jahr bei den Nationalen Spielen in Berchtesgaden punkten“, sagt Morys. Gold sei praktisch Pflicht, sonst braucht man sich nicht bewerben…

Nationale Spiele als Basis
Bei den Nationalen Spielen in Kiel im vergangenen Sommer hat Franziska Brändlein den Grundstein für ihre Olympiateilnahme gelegt. Von dort kam sie schon mit einem ersten Platz nach Hause. Und jetzt Gold bei Olympia. Sie sei selbst überrascht gewesen, weil’s schwer war. Aber das kontinuierliche Training – sei’s zu Hause mit dem Papa, im dortigen Schwimmverein, in der Schule mit den Lehrern oder jetzt mit ihrem Coach Reinhard Morys hat sich ausgezahlt. Doch Schwimmen ist nicht das Einzige, was Franziska mag. Sie fährt auch gern Rad oder wandert mit ihrer Mama.

Franziska hat viel erreicht. Ob sie noch ein weiteres Ziel hat? Klar, sie möchte zu den Special Olympics World Games im Jahr 2023 nach Berlin. Und: Sie hätte gern auch mal einen Pokal. Wie sie an den kommt, weiß Reinhard Morys: ,,Da musst du einfach mal mit uns ins Schwimmcamp nach Erlau kommen!“

World Games
Die diesjährigen Special Olympics World Games (Sommerspiele) führten Anfang März nach Abu Dhabi. Vom 14. bis 21. März wurden dort in vielen verschiedenen Sportarten –von Volleyball bis Schwimmen, von Fußball bis Segeln, von Golf bis Radfahren- bei Wettkämpfen die Besten der Welt ermittelt. Aus Thüringen hatten sich im Vorfeld insgesamt vier Sportler qualifiziert: Für Ausscheide im Radsport, Bowling – und Franziska Brändlein aus Schleusingen ging im Freiwasserschwimmen und im 800-Meter-Freistil im Becken an den Start. Im Freiwasserschwimmen brachte die 22-Jährige eine Goldmedaille mit nach Hause, im Freistil eine bronzene.

Am 9. April werden alle vier Thüringer Teilnehmer der Special Olympics in Erfurt geehrt.

Von Katja Wollschläger