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Weil Sport wichtig ist, gut tut und Freu(n)de bringt

Was die Sportler aus dem Rehazentrum Schleusingen leisten, ist aller Ehren wert. Der Verein Alternative 54 unterstützt ihre Aktivitäten, die nicht selten Edelmetall einbringen.

Schleusingen – Mit 450 Euro hat die Alternative 54 die Teilnahme von Sportlern des Schleusinger Rehazentrums an den diesjährigen Special Olympics in Kiel unterstützt. „Das Geld ist schon vor den Spielen im Mai auf unserem Spendenkonto gewesen.“ Der Vorstand der Stiftung Rehabilitationszentrum Thüringer Wald in Schleusingen, Kai Michaelis, lächelt. Am Montag wird der symbolische Scheck nachgeliefert – vom Linke-Landtagsabgeordneten Tilo Kummer und Linke-Kreisgeschäftsführer Mathias Günther. Terminschwierigkeiten ermöglichen erst zu Beginn der Woche den Besuch im Rehazentrum Schleusingen. Doch das bringt auch einen Vorteil: Die beiden Gäste lernen zwei der Sportler persönlich kennen, die in Kiel an den Start gegangen sind und äußerst erfolgreich zurück nach Schleusingen kamen.

Eine Sportlerin ist Katrin Kerkau. Die 31-Jährige arbeitet in der Werkstatt für Behinderte in Oberrod, in der Gewürzabteilung. Und in ihrer Freizeit treibt sie Sport. Tischtennis spielt sie, erzählt die junge Frau mit leuchtenden Augen. Ja sie spielt Tischtennis – schon sehr lange. Sie denkt nach: 2008 hat sie in Schleusingen damit angefangen, schätzt sie. Genau sagen kann sie`s nicht mehr. Doch sie hat große Freude am Spiel. Katrin Kerkau trainiert in einem Verein- dem SV Schleusingen 90. Und sie hat Freunde dort, beispielsweise ihre Unified-Partnerin Sina Schellenberger gehört dazu. Behinderte und Nichtbehinderte trainieren zusammen und fahren zu Wettkämpfen.

Im Unified bilden sie ein Doppel. Seit 2015 spielt Katrin Kerkau hier mit. Und gemeinsam mit Sina Schellenberger hat sie viele Erfolge erringen können. Im Mai bei den Special Olympics in Kiel beispielsweise brachten die beiden Silber zurück nach Schleusingen. Dazu holte Katrin Kerkau eine weitere Silbermedaille – Im Einzel. „Gerade der Bereich Tischtennis ist ein gutes Beispiel für Integration. Hier ist es ein Sportverein, der diese Inklusionsarbeit leistet. Das ist auf dieser Ebene nicht selbstverständlich“, weiß Kai Michaelis, der sich jedoch genau diese Selbstverständlichkeit wünschte. Im Fußball, Rad-, Wintersport…

Apropos: Melanie Göpfert ist ebenfalls mit Medaillen aus Kiel zurückgekommen. Drei hat die Radsportlerin mit nach Hause gebracht. Doch die 28-jährige Powerfrau begnügt sich nicht mit dem Radsport. Im Winter wechselt sie auf zwei Bretter- und ist auf der Loipe zu finden. „Langlauf-Skating“ mach` ich“, präzisiert sie. Sie liebt den Sport, das merkt man, erzählt, dass sie ihn braucht, um sich auszupowern. „Sport ist mir wichtig, ich brauche die Bewegung, den Kick – und ich komm` so mit Leuten zusammen“, erzählt sie weiter. Auch Kai Michaelis staunt, ist er bei großen Events dabei, oft nicht schlecht: „Sportler kennen sich untereinander.“ Da dauere es manchmal sehr lange, bis man durch die Menge gekommen ist, so viele Leute wollen begrüßt werden. Davon kann Melanie ein Lied singen. Auch Tilo Kummer kann nachfühlen, was Melanie und Katrin erzählen. Er hat Wettbewerbe behinderter Menschen live erlebt und schwärmt von der „herrlichen Stimmung“, die dort herrscht. Er weiß, wie wichtig es für Katrin, Melanie und die anderen Sportler aus dem Rehazentrum ist, rauszukommen, sich mit anderen zu messen, auf Gleichgesinnte zu stoßen – einfach einmal etwas anderes zu sehen. „Ohne die Unterstützung von uns würden unsere behinderten Menschen die Möglichkeit nicht haben, an so großen Veranstaltungen teilzunehmen“, weiß Kai Michaelis. Er ist deshalb sehr dankbar, dass es Vereine und andere Spender gibt, die die Aktivitäten fördern. Sowohl Katrin als auch Melanie Göpfert hatten so die Möglichkeit, zu verschiedenen Spielen zu fahren. China, Österreich, Estland, USA hört man da aus dem Munde der beiden. Und im kommenden Jahr wird eine Sportlerin aus dem Rehazentrum Schleusingen zu den World Games fahren, die diesmal in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) stattfinden. Franziska Brendlein heißt die junge Frau, die Schleusingen auf internationaler Bühne vertreten wird. Im Wasser. Konkret: Im Freiwasserschwimmen. Kai Michaelis erzählt, dass Franziska Brendlein als Kind mit ihrem Vater regelmäßig in der Regnitz bei Bamberg geschwommen ist. „Sie ist richtig gut. Ich ziehe den Hut vor einer solchen Leistung!“ Mit Gold sei sie aus Kiel zurückgekommen und sie hatte sich mit ihrer Leistung für die World Games in Abu Dhabi qualifiziert, erzählt er.

Da staunen die Gäste nicht schlecht – und bieten auch gleich Hilfe an. „Wenn wir etwas tun können, dann gern“, sagt Kummer. Dann eventuell mithilfe mit Lottogeld.

Die Zusammenarbeit zwischen Landtagsabgeordneten der Partei Die Linke und dem Rehazentrum sein schon immer intensiv gewesen. „Das Thema ist uns einfach wichtig. Es ist ein Erlebnis, an Special Olympics oder anderen Wettkämpfen teilzunehmen. Und jeder, der sich qualifiziert, sollte die Möglichkeit dazu haben. Ausschlaggebendes Kriterium sollte nie sein, ob man sich`s leisten kann oder nicht. Deshalb unterstützen wir die Teilnahme und helfen immer wieder gern, wenn wir können.“ Mit diesen Worten überreicht Kummer den symbolischen Scheck.

Alternative 54 e.V.

1995 gründen Abgeordnete der PDS (heute die Linke) den Verein „Alternative 54 Erfurt e.V.“ der die automatischen Erhöhungen der Abgeordneten-Diäten an soziale, kulturelle, ehrenamtliche Vereine sowie Jugendprojekte weitergibt. Gegen die automatische Diäten-Erhöhung wehren sich die Linke-Abgeordneten, reichten eine Verfassungsklage ein, scheiterten und entschieden sich, das Geld schließlich weiterzugeben.

Seit Vereinsgründung unterstützten sie somit verschiedenste Projekte mit insgesamt 1,2 Millionen Euro. Mittlerweile spenden nicht nur Abgeordnete (derzeit gehören 28 Frauen und Männer der Fraktion an), sondern auch Ehemalige, sodass die Alternative 54 e.V. mit einem Jahresbudget von 70.000 bis 80.000 Euro arbeiten kann.

Von Katja Wollschläger